Seit jeher suchen Menschen Trost und Erleichterung in der Natur. Ein Spaziergang im Wald, das Rauschen der Wellen am Strand oder auch nur der Anblick grüner Felder können ein Gefühl der Ruhe vermitteln. Aber kann das Erleben der Natur tatsächlich körperliche Schmerzen lindern? Eine neue Studie mit Hilfe modernster Bildgebungstechniken hat aufgezeigt, wie der Anblick der Natur die Art und Weise verändert, wie das Gehirn Schmerzen verarbeitet. Die Forscher verwendeten einen fMRT-Scanner, um die Gehirnaktivität der Teilnehmer zu überwachen. Jede Person erhielt eine Reihe leichter Elektroschocks, während sie verschiedene Videos ansah. Einige Teilnehmer sahen Naturlandschaften, während andere Stadt- oder Innenraumaufnahmen betrachteten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Diejenigen, die Naturbilder sahen, gaben an, weniger Schmerzen zu empfinden, und ihre Gehirnscans zeigten eine verminderte Aktivität in den Regionen, die mit der Schmerzwahrnehmung in Verbindung stehen.
Die Studie ging noch einen Schritt weiter und wandte maschinelle Lerntechniken an, um die Gehirnnetzwerke zu analysieren, die an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind. Dies zeigte, wie das Gehirn Schmerzsignale empfing und interpretierte. Das Betrachten von Naturszenen reduzierte die Intensität der sensorischen Reize, sodass das Gehirn den Schmerz als weniger stark wahrnahm. „Unsere Studie ist die erste, die anhand von Gehirnscans belegt, dass es sich hierbei nicht nur um einen Placebo-Effekt handelt, der durch die Überzeugung und Erwartung der Menschen, dass Natur gut für sie ist, hervorgerufen wird. Das Gehirn erhält tatsächlich weniger Schmerzsignale aus dem Bereich, aus dem der Schmerz kommt, und empfindet ihn daher als weniger intensiv“, sagte Max Steininger von der Universität Wien.