Die größte Verwirrung rund um den 3D-Druck beruht auf seinem Namen. Denn im Duden findet man für den Begriff „Drucken“ folgende Erklärung: Eine Aktivität, bei der Schrift oder Bilder durch eine Maschine reproduziert werden, auf Papier oder einem anderen Material. Da überrascht es nicht, dass wir uns verständlicherweise fragen, wie unsere Schreibtisch-Drucker, die nur mit Tintenpulver ausgestattet sind, auf wundersame Weise 3D-Objekte kreieren können. Wollen wir den 3D-Druck verstehen, müssen wir die Funktionsweise unserer Schreibtisch-Drucker beiseite schieben, denn tatsächlich haben Schreibtisch-Drucker nur einige wenige Gemeinsamkeiten mit 3D-Druckern. Die wären: 1) Die kleinste Version eines 3D-Druckers könnte auf unserem Schreibtisch Platz finden. 2) Beide Drucker werden mit digitalen Informationen gespeist, die von einem Computer aus gesendet werden. 3) Das Schichtungs-System, das bei 3D-Druckern verwendet wird, ähnelt dem eines Tintenstrahldruckers. Aber hier hören die Gemeinsamkeiten auch schon mehr oder weniger auf. Erst wenn wir uns des Gedankens entledigen, dass unsere Standarddrucker überhaupt etwas mit 3D-Druckern gemein haben, sind wir auf halbem Weg, alles zu verstehen...

Der 3D-Druck, auch bekannt als schneller Modellbau („rapid prototyping“) oder „additive manufacturing”, nutzt Prozesse, bei denen Rohmaterialien je nach Bedarf eingesetzt werden. Ganz im Gegensatz zu bisher üblichen „substraktiven“ Methoden, die man mit der Arbeit eines Bildhauers vergleichen könnte, der sein Meisterwerk entstehen lässt, in dem er Stücke von einem Felsblock abschlägt. Auch die meisten Produktionsfirmen wenden diese wenig kosteneffiziente und ressourcenaufwändige substraktive Methode, bei der gefräst oder gebohrt wird, heute noch an. 3D-Drucker hingegen bauen das Objekt aus dem Nichts auf, und produzieren so weitaus weniger Abfälle. In der Praxis ermöglicht der 3D-Drucker den Produzenten eine weitaus größere Flexibilität, da sie ihren Kunden maßgefertigte Designs anbieten können, statt wie bisher Tausende oder aber auch Millionen von Objekten produzieren zu müssen, nur um die Kosten zu decken. Beim 3D-Drucken muss man einfach nur die Computerdatei ändern, um die gewünschte Form neu einzustellen. Durch 3D-Drucker können zudem leichtere Produkte gefertigt werden. Objekte aus gehärtetem Nylonpulver sollen beispielsweise ebenso stabil sein wie Objekte aus Stahl oder Aluminium, obwohl sie um 65 % leichter sind. Wie ein bereits existierendes 3D-Fahrrad beweist. Ein weiterer Vorzug des 3D-Druckens ist der geringere CO2-Ausstoß, denn statt Güter wie bisher um die ganze Welt zu transportieren, müssen einfach nur noch Daten übers Internet versendet werden. Die Erzeugnisse können dann vor Ort hergestellt werden.

3D-Drucker können individuelle Ersatzteile für Autos, Raumfahrtzubehör, Spielzeuge, Schuhe, Schmuck und anderen Gegenstände herstellen – eigentlich alles, für das es eine digitale Vorlage gibt. Aber in welchen Branchen kann der 3D-Druck eigentlich noch genutzt werden? Besonders weit verbreitet war der 3D-Druck bisher bei Architekten, die mit dieser Technologie Miniaturmodelle ihrer Entwürfe kreierten. In der Medizin können Prothesen, Zahnersatz oder Implantate in weitaus besserer Porosität und Präzision hergestellt werden, man muss einfach die Ergebnisse der Computer- oder Kernspintomographien eines Patienten nutzen, um die entsprechenden 3D-Objekte aufzubauen. Ein großer Unterschied zu den Standardanfertigungen, die bisher im Angebot sind. Chirurgen können 3D-Modelle von den Organen oder Knochen ihrer Patienten erstellen, um die bestmögliche und obendrein besonders kostengünstige Operationsmethode zu finden. Und in anderen klinischen Kreisen und Universitätslaboratorien wird schon lange eifrig geforscht, um menschliche Zellen nach der Formel des 3D-Drucks aufeinander zu schichten und so menschliche Transplantationsorgane zu erschaffen.

Auch die Ersatzteil-Industrie wird in ihren Grundfesten erschüttert. Das uralte Dilemma, dass man gewisse Ersatzteile nicht mehr bekommt, weil sie nicht mehr hergestellt werden, wird nicht mehr existieren. Auch muss man nicht mehr auf Ersatzteile warten, die von der anderen Ecke der Welt zu uns transportiert werden müssen. Bald werden wir in der Lage sein, alle Daten einfach von den Webseiten der Hersteller herunterladen zu können, um die benötigten Gegenstände in 3D-Version aufzubauen. Und mit der Zeit werden wir nicht nur kleine, individuelle Objekte herstellen können, sondern auch große, anspruchsvollere.
Auch Maßanfertigungen werden, wie wir schon erwähnt haben, im Aufwind sein. Was heutzutage schon bis zu einem bestimmten Grad bei einigen Designer-Schmuckstücken oder Autos möglich ist, wird durch das 3D-Drucken auch auf breiter Basis für viele andere Produkte angeboten werden. Einzelhändler werden uns im Internet 3D-Abbildungen ihrer Produkte zeigen und uns zudem diverse Optionen anbieten, mit denen wir sie nach eigenen Vorstellungen modifizieren können. Natürlich immer im Rahmen dessen, was beim 3D-Druck möglich ist. So können wir unsere Endprodukte nach unseren persönlichen Wünschen anfertigen lassen. Tatsächlich gibt es schon einige ausgewählte Unternehmen, die diesen Service anbieten. Und es ist vorstellbar, dass unsere ganz persönlichen Endprodukte nicht nur vom Anbieter per 3D-Druck hergestellt und zu uns nach Hause geschickt werden können, sondern dass die entsprechenden Daten uns als Download zur Verfügung gestellt werden, damit wir sie bequem zuhause – oder wenigstens in einem nahe gelegenen Drucker-Shop anfertigen lassen können.
Überflüssig zu sagen, dass die Möglichkeiten, die sich uns im Bereich des 3D-Drucks eröffnen, endlos sind. Nun verstehen Sie ein wenig mehr von dieser neuen Technologie, die einige der ersten Pioniere schon seit den 1990ern anpreisen. Sie prophezeien übrigens auch, dass diese Technologie unser Leben im nächsten Jahrzehnt drastisch verändern wird – ebenso wie es das Internet bereits getan hat. Herzlich willkommen in der Zukunft. •
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