
Ein Grundprinzip der Netzneutralität ist, dass alle Internetaktivitäten gleich behandelt werden. Dies bedeutet, dass Daten, die von großen Internet-Usern wie Google oder Facebook mit der gleichen Geschwindigkeit übermittelt werden wie diejenigen, die Sie oder ich versenden. In anderen Worten: Den großen Internetnutzern wird keine prioritäre „schnelle Linie“ für ihre Internetverbindung eingeräumt, Ihre persönliche Email und deren Inhalt werden auf gleiche Art und Weise und über dasselbe Netzwerk verschickt. Doch die großen Telefongesellschaften und Kabelunternehmen, die zu den hauptsächlichen Internetdienstanbietern (ISPs) zählen, wollen diese Abwicklung ändern. Es reicht ihnen nicht, dass wir alle unsere Gebühren für den Internetzugang zahlen, diese Firmen fordern jetzt das Recht ein, großen Nutzern mehr zu berechnen und ihnen dafür im Gegenzug eine bevorzugte Behandlung beim Datenverkehr einzuräumen.


Bartees Cox von „Public Knowledge“ (einer Anwaltsgruppe, die sich mit digitalen Rechten beschäftigt) bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Das Internet sollte ursprünglich eine ausgleichende Funktion haben. Es war jedem zugänglich, wobei es keine Rolle spielte, wie reich man war oder wo man lebte. Doch wenn das Internet nur noch in hochpreisigen Paketen angeboten wird, werden viele Menschen nur den Zugang haben, den sie sich finanziell leisten können. Diese Vorgehensweise würde beispielsweise Internet-Start-Ups benachteiligen, die nicht über ausreichend Kapital verfügen, um mit den etablierten Firmen konkurrieren zu können. Und letztendlich wären die Telefongesellschaften und Kabelunternehmen die einzigen Gewinner.
Wo wir stehen
In den USA bestätigte man der Internetfreiheit erst kürzlich ihren hohen Stellenwert, während ihre Zukunft in Europa derzeit eher in der Luft hängt. Im März 2015 verabschiedete die „US Federal Communications Commission“ (FCC) neue Richtlinien, die unterstreichen, dass das Internet von großer Wichtigkeit für die Öffentlichkeit ist. Deshalb müsse man die Nutzer schützen. Die Essenz der neuen Reglementierungen lautet: Die Netzneutralität muss gewährleistet bleiben, das „Zweigeschwindigkeitsnetz“, das von den Telekommunikationsfirmen angestrebt wird, sollte verboten werden. Auch die europäischen Nutzeraktivisten würden gerne diesem Modell folgen, doch die EU scheint eine andere Richtung anzustreben.
Momentan gibt es in der EU keine klaren Regeln hinsichtlich der Netzneutralität, nur in den Niederlanden existiert ein Gesetz zur Internetfreiheit. Demzufolge gibt es für 96% aller Europäer keinen legalen Schutz, der ihr Recht auf eine komplette und freie Nutzung des Internets gewährleistet. Um Abhilfe zu schaffen, kreierte die EU im Jahr 2013 die „Telecom Single Market Regulation“, eine europäische Richtlinie zur Transparenz und zum Verkehrsmanagement des Internets. Auch das europäische Parlament unterstützte die Netzneutralität, dort stimmte man 2014 zugunsten eines Internetgesetzes ab, das den neuen FCC-Richtlinien ähnelt. Doch dies war nur der erste Schritt eines langwierigen Regulierungsverfahrens. In diesem Jahr wurde das Thema erneut vom EU-Rat, der sich aus den Ministern der 28 Mitgliedstaaten zusammensetzt, aufgegriffen, und man kam zu einem völlig anderen Ergebnis. Der EU-Rat unterstützt nämlich den Vorschlag der Telekommunikationsunternehmen, von großen Internetnutzern höhere Gebühren zu verlangen, damit diese ihre Videos und andere Inhalte schneller übermitteln können als kleinere Firmen, die nicht für diese Vorzugsbehandlung zahlen.

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