Auf Ibiza bestäuben Bienen das ganze Jahr über unterschiedliche Pflanzen, das spiegelt sich im Geschmack des von ihnen produzierten Honigs wieder. Im Herbst werden sie von Johannisbrotbäumen und Rosmarinbüschen angezogen, im Frühling dagegen lieben sie den süßen Geschmack von Orangenblüten und Frigola (eine Thymianart). Neben dem köstlichen Honig versorgen uns Bienen mit zahlreichen anderen Produkten, die gut für unsere Gesundheit sind. Michelle Gaitan, die als Apitherapeutin auf Ibiza arbeitet, weist darauf hin, dass Bienen unser Leben nicht nur durch die Süße ihres Honigs bereichern. Gleichzeitig produzieren sie ein natürliches Antibakterium, das sogenannte Propolis, ein starkes Antiseptikum ihres Immunsystems, das bei Infektionen des Mund- und Rachenraums gute Wirkungen zeigt. Pollen und Gelée Royale sind besonders wichtige Nahrungsergänzungsmittel, die viele Vitamine und Mikronährstoffe enthalten. Sogar das Bienengift kann dem Menschen durch Akupunktur zugeführt werden. Michelle stellt Naturheilmittel aus diesen großartigen Bienenprodukten her, die ihre eigenen, liebevoll gepflegten Bienenvölker liefern. „Diese kostbaren Geschenke der Bienen sind hochkonzentriert und sie werden von Lebewesen produziert, deshalb sollten wir sie mit Respekt und Bedacht verwenden“, sagt sie.


Ohne die so wichtige Bestäubung der hart arbeitenden Insekten könnten wir auf eine landwirtschaftliche Apokalypse zusteuern. Zwar gäbe es ohne sie noch Nahrungspflanzen wie Hafer und Weizen, aber die meisten lebenswichtigen Nahrungsmittel würden ohne den natürlichen Bestäubungsprozess verschwinden. Bienen zählen übrigens zu den Indikatorarten, da sie den aktuellen Zustand unserer Umwelt direkt wiederspiegeln: Wenn Bienen sterben, stirbt auch das Ökosystem unseres Planeten. Glücklicherweise wird dem Problem immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, Regierungen und sich des Problems bewusste Menschen suchen nach Lösungen, um das Bienensterben zu verhindern. Die EU und andere Staaten haben beispielsweise Pestizide verboten, die schädlich für Bienen sind. Und auch jeder Einzelne von uns kann aktiv werden und etwas für die Bienen tun.

Wir sollten lokal angebaute Nahrungsmittel kaufen, was nicht nur gut für die Gesundheit ist, sondern gleichzeitig das Ökosystem der Insel stärkt, wodurch die Bienen bessere Überlebenschancen haben. Ibizas Imker sorgen für ihre Bienen, deshalb gibt es qualitativ hochwertigen und sehr nahrhaften Honig. Kommerzieller und prozessierter Honig enthält dagegen höchstens zehn Prozent Honig, der Rest besteht aus Zucker. Auch der Verlust ihres Lebensraums kann für Bienen bedrohlich sein: Wer also auf einem freien Gelände auf seinem Grundstück einige Wildblumen sät, kann für Bienen einen Zufluchtsort schaffen. Und wer sich noch mehr einbringen will, könnte mit seiner eigenen Bienenzucht beginnen. Dazu benötigt man nicht allzu viel, zudem bietet der Imkerverband „Associacio d'Apicultors d'Eivissa“ von der Regierung subventionierte Kurse, Aktivitäten und Workshops rund um das Thema an, bei denen Interessierte alles über die Imkerei erfahren können. Diese Vereinigung reguliert die Imkerzucht, überwacht die Anzahl der Bienenpopulationen und achtet auf hohe Pflegestandards und nachhaltige Methoden.

Auch sollte man den Unterschied zwischen Bienen und Wespen kennen, bevor man einen wilden Schwarm auf seinem Grundstück ausräuchert oder vergiftet. Wespen sind die bösen Cousinen der Bienen. Sie haben eine kräftige Farbe und eine dünne Taille, Bienen dagegen sind rundlicher, dunkler und wirken pelziger. Wespen bestäuben Pflanzen nicht, dafür sind sie ganz wild auf unser Essen. Und sollte man sich ihrem Nest nähern, werden sie angriffslustig. Stechen können sie mehrfach. Bienen sind weitaus friedfertiger, weil sie vor allem auf Blüten fokussiert sind. Sie sind generell nicht aggressiv und stechen nur, wenn sie kein anderes Verteidigungsmittel mehr sehen. Und wenn sie stechen, sterben sie.

Der bekannte amerikanische Schauspieler Morgan Freeman hat sich mit einer positiven Aktion gegen das Bienensterben eingesetzt: Er verwandelte seine 50 Hektar große Ranch am Mississippi in einen Zufluchtsort für Bienen. Auf seinem Grundstück gibt es 26 große Bienenvölker und Freeman pflanzte bienenfreundliche Bäume und Pflanzen wie Klee, Lavendel und Magnolien. Der Schauspieler kämpft leidenschaftlich für die Bienen: „Viele Menschen sind sich nicht klar darüber, dass Bienen die Grundlage für die Fülle unserer Natur und der Schlüssel für die Vielfalt unserer Vegetation sind.“ Für Freeman und andere seiner Mitstreiter sind es ganz besondere Insekten, die fleißig und unermüdlich daran arbeiten, unseren Planeten am Leben zu erhalten. Es ist deshalb ungemein wichtig, dass wir alle die Bienen in ihrem Überlebenskampf unterstützen.
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