Die Vandalen waren von den Hunnen aus ihren germanischen Territorien vertrieben worden, im Jahr 409 begannen sie auf dem Festland mit ihren Plünderungen. Brandschatzend zogen sie von einem Platz zum nächsten, 425 suchten sie sogar die Balearen heim. Die Westgoten vertrieben die Vandalen von Spanien nach Nordafrika, wo diese in Karthago einen neuen Machtsitz etablierten. Von dort aus rückten sie fächerförmig aus, um das westliche Mittelmeer zu erobern, von Sizilien über Sardinien, Korsika und Malta bis hin zu den Balearen. Ibiza wurde 455 von den Vandalen übernommen, vier Monate später hatten diese die Römer glorreich vertrieben.
Die Besetzung dauerte nur 80 Jahre, dennoch hinterließen sie auf der Insel ihre eigenen historischen Spuren und sorgten für eine einzigartige kulturelle Überlagerung. Die barbarischen Invasionen haben historische Relevanz, da sie das Ende der klassischen Antike und den Beginn des europäischen Mittelalters einleiteten. Einerseits zerstörten die Invasoren die römische Kultur, andererseits ermöglichten sie aber auch deren Kontinuität, weil Schlüsselelemente der römischen Kultur imitiert und das lateinische Erbe am Leben erhalten wurden. Sprache, Gesetzgebung, Religion und die Saat des Feudalismus sind einige der römischen Errungenschaften, die von den germanischen Stämmen beibehalten wurden. Die Vandalen, die von Historikern jahrhundertelang geschmäht wurden, mussten aufgrund archäologischer Funde übrigens kürzlich rehabilitiert werden. Mittlerweile wird ihnen Anerkennung gezollt, weil sie in Nordafrika in großem Stil Handel und Export betrieben und die Wirtschaft der Region in Schwung hielten. Während dieser Zeit war Ibiza auch weiterhin ein aktiver Anlaufhafen im Handelsnetzwerk zwischen Nordafrika und dem westlichen Mittelmeer. Doch die von den Römern verlassenen Siedlungen blieben während der Vandalen-Regierung unbewohnt.
In Nordafrika blieben die Vandalen dem Arianismus zugewandt. Sie verfolgten die Katholiken, konfiszierten deren Kircheneigentum und verbannten unbequeme Bischöfe. In einem provokativen Schachzug zitierte der Vandalen-König Hunerich alle Bischöfe seines Reichs herbei, um über die Pros und Kontras des Arianismus und Katholizismus zu diskutieren. Dies geschah im Jahr 483 und unter den Geistlichen, die an dieser Synode teilnahmen, befand sich auch der katholische Bischof Ibizas, Ophelius. Am Ende der Debatte weigerten sich die Bischöfe der Balearen, ihrem katholischen Glauben abzuschwören, woraufhin sie sofort geopfert wurden. Aufgrund dieser eklatanten Aggression zerbrach der Pakt, der acht Jahre zuvor zwischen dem byzantinischen Herrscher Zeno und dem Vandalen-König Geiserich geschlossen worden war. Diese Vereinbarung sah vor, dass man die Gebiete der Vandalen respektieren würde, solange diese den Katholiken erlaubten, ihrem Glauben in Frieden nachzugehen. Über Hunerichs gewalttätigen Bruch des Pakts wurde vorübergehend hinweggesehen, aber er wurde nicht vergessen.
Fünfzig Jahre später kam in Byzanz (dem östlichen Zweig des römischen Reichs, der überlebt hatte) der leidenschaftliche Kaiser Justinian I. an die Macht. Er war entschlossen, die früheren westlichen Ländereien des Reichs wieder zu erobern und dort den wahren Glauben, also den katholischen, erneut zu etablieren. 534 schlug seine Armee die Vandalen in Nordafrika, im Jahr darauf eroberte er die Balearen und die restlichen Inseln, auf denen die Vandalen noch herrschten. Ibiza wurde Teil von Byzanz, was das Leben auf der Insel jedoch kaum beeinflusste. Ein leichter demographischer und wirtschaftlicher Aufschwung wurde verzeichnet, dies zeigte sich darin, dass auf den Ruinen der alten Wohnstätten neue gebaut wurden oder neue Siedlungen entstanden. Viehzucht scheint in dieser Zeit wichtiger als die Landwirtschaft gewesen zu sein, die Keramikherstellung verzeichnete einen Aufwärtstrend, christliche Motive dominierten. Costa und Fernández (Autoren des Führers vom Archäologischen Museum Ibiza) beschreiben die byzantinischen Keramikfunde als „reich verziert mit eingeritzten und bedruckten Mustern“.
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