Während viele Städte gegen umweltschädliche Mülldeponien kämpfen, hat Wien eine geschaffen, die in vielerlei Hinsicht positiv ist. Sie heißt Rautenweg und ihr Erfolg ist das Ergebnis mehrerer Jahrzehnte progressiver Politik in Bezug auf städtische Abfälle. Als Reaktion auf den starken Anstieg des Mülls in den 60er Jahren begann Wien, seinen Müll zu verbrennen und die erzeugte Wärme in das städtische Heizungssystem zu leiten. Heutzutage reduziert der kontrollierte Verbrennungsprozess in den vier städtischen Verbrennungsanlagen den Müll Wiens auf 10% seines ursprünglichen Volumens und versorgt rund 400.000 Haushalte mit Heizung und Warmwasser. Vielleicht genauso interessant ist die Tatsache, dass die Abfälle, die nach Rautenweg geschickt werden, auf eine Weise entsorgt werden, die sich grün und natürlich anfühlt. Dieses einzigartige Landschaftsbild begann 2009 Gestalt anzunehmen, als die Asche und Schlacke nicht recycelbarer Abfälle mit Sand, Wasser und Zement vermischt wurden, um Beton herzustellen, rund 200.000 Tonnen pro Jahr. Der Beton wird verwendet, um stabile Terrassen auf der Deponie zu schaffen, drei Meter Erde werden auf jede Terrasse gelegt, und das Wachstum von lokalen Pflanzen und Bäumen wird gefördert. Das Ergebnis ist ein üppiger grüner Hügel von 40 Metern Höhe, der bis 2065 um weitere 35 Meter wachsen soll. Die ruhige Erscheinung des Ortes verbirgt die komplexe und innovative technische Arbeit, die geleistet wird, um ihn zu schaffen und zu erhalten. Ein Beispiel dafür sind die 140 leuchtend gelben Gasbrunnen, die das Methan recyceln, das von den abgelagerten Abfällen freigesetzt wird, die vor der Erfindung des Recyclings entsorgt wurden. Dieses Gas wird in Strom umgewandelt und ins städtische Netz eingespeist, um rund 1.000 Haushalte mit Energie zu versorgen. In den 80er Jahren führte die Verschmutzung des Grundwassers um die Deponie herum zur Entwicklung einer Innovation namens "Wiener Kamerasystem". Die Deponie wurde von zwei undichten rings umgebenen Wänden umgeben, die sich 40 Meter tief im Boden erstreckten und in 49 Kammern mit Wasserpumpen unterteilt wurden, so dass das Wasserniveau innerhalb der Deponie nicht in das umliegende Grundwasser gelangen kann.