Eine Gruppe unabhängiger Geschäftsleute hat auf
Ibiza eine „Pop-up”-Schmuckboutique gegründet.
Grund genug, dem bekannten Phänomen des „Pop-up”-Handels
etwas Aufmerksamkeit zu widmen.
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Sia Taylor, Cyd (Joy Jewellery), Shakti Ellenwood, Kerstin Howard y Natasha Collis |
Flexibilität,
große Auswahl und Kosteneffizienz – das
sind die Vorteile, die Verkaufsstellen bieten, die in einem
Moment auftauchen und dann wieder verschwinden. Diese Geschäftsidee
nennt man „Pop-up”-Handel. Etwa 2004 erregten
die ersten „Pop-up”-Projekte die öffentliche
Aufmerksamkeit, vor allem in den USA und in Großbritannien.
Bekannte Marken wie „Toys R Us” oder „Gucci” setzten
den Trend, indem sie „Pop-up”-Läden eröffneten,
um den Verkauf ihrer Artikel anzukurbeln. Autohäuser
folgten, sie organi-sierten „Pop-up”-Ausstellungen,
die einzig und allein darauf abzielten, den Käufer mit
der altbekannten und beliebten Methode „Kaufen Sie,
bevor es zu spat ist” zum schnellen Kosum zu bewegen.
Auch Wohl-tätigkeitsorganisationen wie Barnardo sprangen
auf den Zug auf, für kurze Zeit eröffneten sie
in leerstehenden Gebäuden „Pop-up”-Verkaufsräume,
wo sie Waren zu erschwinglichen Preisen anboten. Die lokalen
Institutionen waren von dieser neuen Art des Einzelhandels
begeistert, war es doch eine ideale Möglichkeit, die
Einkaufsstraßen lebendig zu halten, statt sie durch
tote Geschäftsräume unattraktiver zu machen.
Das „Pop-up”-Phänomen regt in uns längst
verblichene Kindheitsphantasien an, gleichzeitig generiert
es Hoffnung und inspiriert uns zu neuen Projekten. Schon
bald tauchten die ersten „Pop-up”-Nachtclubs
auf, in Sydney gab es z. B. einen, für den man Schiffscontainer
nutzte. Es entstanden „Pop-up”-Restaurants wie „Bistroteque” im
Osten Londons, dort verwandelte man eine leerstehende Großmarkthalle
auf meisterliche Art und Weise in ein mit Kerzen beleuchtetes
Winter-Wunderland. Die Leute kamen in Scharen in diese Weihnachtsmann-Höhle
für Erwachsene. Die kurzfristige Existenz all dieser
Projekte sorgte dafür, dass die Läden von Beginn
an gerammelt voll waren. Kein Wunder, denn sie weckten das
im Menschen tief verwurzelte Konsumverhalten, bloß nichts
zu verpassen. Sogar Prominente widmeten sich der „Pop-up”-Kultur,
die frisch geschiedene Jo Wood organisierte in ihrem Haus
von Zeit zu Zeit ein Fest, das sie „Mrs Paisley’s
Lashings” nannte. Bei diesen Gelegenheiten verwandelte
sie ihr Haus in einen Schrein für Öko-Produkte – statt
in einen für die Rolling Stones. Dies müsste eigentlich
zwangsläufig zu einem „Pop-up”-Friseursalon
mit dem Namen „Haar heute, morgen verschwunden” führen…
Manche könnten argumentieren, dass dieser Stil des schnellen
Handels schon seit Jahrhunderten exisitiert, denn schließlich
gab es schon immer Marktstände, Straßenverkäufer
und Souks. Überall auf der Welt. Kann man also alle,
die sich nicht der Belastung durch hohe Fixkosten aussetzen,
und die ihre Waren nur kurzfristig anbieten – von frischen
Blumen, über Hot Dogs bishin zu fast allen anderen Produkten – als „Pop-up”-Unternehmer
bezeichnen? Wenn dem so wäre, könnte man zu dem
Schluss kommen, dass Ibizas berühmte Hippie-Märkte
und die Strandverkäufer beweisen, dass man es auf der
Insel seit langem verstanden hat, Trends zu setzen.
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Wo
auch immer nun die wahren Wurzeln des „Pop-up”-Handels
liegen mögen, die aktuelle Geldknappheit verhilft
diesen Projekten zu einem kraftvollen Neustart. Denn
warum sollte man sich dem finanziellen Druck hoher
Ladenmieten aussetzen, wenn doch der „Pop-up”-Handel
die Bedürfnisse unserer Wegwerfgesellschaft bestens
befriedigt, ebenso wie den stetigen Hunger nach schnellem
Konsum und wechselnden Konzepten?
Kurzum: Das Thema „Pop-up” ist auch auf
Ibiza im Kommen. Unter dem Namen PURE FORM haben sich
jetzt einige großartige Schmuckdesigner vereint:
Natasha Collis, Shakti Ellenwood, Kerstin Howard, Cyd
(Joy Jewellery) und Sia Taylor. |
Die
Gruppe hat beschlossen, miteinander statt gegeneinander zu
arbeiten. Immer dem Erfolgsrezept folgend:
Wenn du sie nicht schlagen kannst, tu dich mit ihnen zusammen.
Ein beispielloses Konzept, das auch dem Endverbraucher eine
größere Auswahl bescheren wird. Jeder hat seinen
eigenen Stil, nur eins vereint sie: Alle Schmuckstücke
sind handgefertigt und wurden auf Ibiza hergestellt. Die
fünf Schmuckdesigner teilen Rohstoffe, Ideen und Zeit.
Ihre kreative Zusammenarbeit beruht vor allem auf Kameradschaft.
Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist eine „Pop-up”-Schmuckboutique,
eine mobile Ausstellung all ihrer Arbeiten, die sie mit Enthusiasmus
gemeinsam vermarkten wollen.
Mit dieser Initiative möchten sie vor allem die gehobene
Kundschaft ansprechen. Denn es gibt bereits eine lange Liste
bekannter Leute, die sich für ihre Arbeiten interessieren.
Darunter Jack Nicholson, Kate Moss, Chrissie Hynde und Ruby
Wax. Viele dieser Prominenten, die versteckt in ihren luxuriösen
Villen leben, bevorzugen es, dem Horror einer heimlichen
Shoppingtour auf geschäftigen Straßen zu entkommen,
lieber machen sie ihre Einkäufe in der priva-ten und
diskreten Atmosphäre ihrer eigenen Häuser.
Die
Preise für ein Designerstück reichen von
60 bis 6.000 Euro. PURE FORM wird außerdem Schmuck-Ausstellungen überall
auf der Insel organisieren. Diese Abende, die in ausgewählten,
hochklassigen Bars und Clubs stattfinden, sind für
alle zugänglich. Ein Kaufzwang besteht nicht,
denn man folgt der Philosophie der Gastfreundschaft.
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Niemand
soll davon ausgeschlossen sein, ein wenig Luxus und die außergewöhnliche
Kunst der PURE FORM-Designer genießen zu dürfen.
Eine laue Ibiza-Nacht in einem angenehmen Ambiente, ein Drink
in der Hand, verführerische Schmuckstücke – das
hört sich doch nicht schlecht an. Die erste Schmuck-Schau
von PURE FORM findet am 1. Juli im Landhotel Atzaró statt.
Text:
Cat Weisweiller