Seitdem
der Mensch zum Kommunizieren und Denken Worte nutzt, haben
wir Geschichten erzählt, um auf die fundamentalen Existenzfragen
Antworten zu finden:
Wer
sind wir?
Die Frage der Identität
Woher kommen wir?
Die Frage der Herkunft
Wohin gehen wir?
Die Frage des Schicksals
Warum sind wir hier?
Die Frage des Zwecks
Was ist letztendlich wichtig?
Die Frage der Bedeutung
Wie sollten wir leben?
Die Frage der Moral und des richtigen Handelns
Was geschieht, wenn wir sterben?
Die Frage über das Ende und die Kontinuität
In
unserer westlichen Welt waren die Antworten auf diese Fragen
in unsere Kosmologie eingebettet, unsere Schöpfungsgeschichte.
Die Kosmologie der Bibel hatte einen wichtigen Effekt auf
das Denken und die Institutionen der westlichen Welt, ebenso
wie auf unser Verständnis und unsere Beziehung zur Natur.
Unsere Rechtsprechung, die Medizin, Religion, Politik, Wirtschaft
und unser Schulsystem wurden in großem Maß von
dieser biblischen Kosmologie geformt. Über Jahrhunderte
hinweg stellten wir uns Gott als die höchste Instanz
vor, die irgendwo jenseits unseres Planeten residierte, getrennt
von der Natur und ihr übergeordnet. Und da wir laut
Bibel als Abbild Gottes erschaffen wurden, dachten wir natürlich,
auch wir seien getrennt von der Natur und ihr übergeordnet.
Durch den Sündenfalll von Adam und Eva erschien uns
die Natur korrupt.
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Dieser „Fortschritt” führte
dazu, dass wir die Natur immer mehr zugunsten der Menschheit
kontrollierten. Bis vor kurzem galten diese Anschauungen
als selbstverständlich und wurden kaum angezweifelt
oder diskutiert. Sie waren vererbte und unreflektierte
Annahmen, die wir als Realität erachteten. |
Obwohl
dieser Glauben direkt oder indirekt für einen Großteil der aktuellen
Zerstörungen auf unserem Planeten Erde verantwortlich
gemacht werden könnte, sorgte er aber auch für
enorme wissenschaftliche und technologische Durchbrüche.
Ironischerweise bilden einige dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse
jetzt die Grundlage für ein neues ökospirituelles
Erwachen, das die Menschheit und den Rest der Lebensgemeinschaft
auf der Erde in die einzige mögliche Zukunft führen
könnte.
Kürzliche Entdeckungen in der Biologie, Geologie, Chemie,
Physik und Astronomie weisen nämlich darauf hin, dass
das Universum nicht im geringsten dieser großen Maschinerie
gleicht, die eine industriell orientierte Wissenschaft uns
in den vergangenen dreihundert Jahren glauben machen wollte.
Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern geht mittlerweile
davon aus, dass das Universum eher ein sich verändernder
und reifender Organismus ist – ein lebendiges System –,
das sich in 15 Milliarden Jahren entwickelte und währenddessen
immer komplexer und vielseitiger wurde. Alles begann mit Wasserstoff,
dann entstanden Galaxien, Sterne und Planeten, bis sich im
Laufe der Zeit immer komplexere Lebensformen entwickelten.
Das Universum in uns kann das alles nun bewusst reflektieren,
die Bedeutung und die Entwicklung verstehen. Teilhard de Chardin
erklärte schon vor etwa einem halben Jahrhundert: „Der
Mensch ist das Endergebnis einer ununterbrochenen Entwicklung,
die nun über sich selbst nachdenkt.“.
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Wenn
wir durch ein Teleskop schauen, ist es eigentlich so, als
würde das Universum auf sich selbst blicken. Wir Menschen
sind somit ein Medium, durch das unser Universum seine Schönheit
und seine Tiefe bewusst erfahren kann. Wir sind nicht vom
Universum getrennt, wir sind ein Ausdruck des Universums.
Wir kamen nicht in diese Welt, wir wuchsen in ihr, ebenso
wie ein Apfel an einem Apfelbaum wächst.
Die Vision der Evolution, diese neue Version des „Am
Anfang war …” gibt uns den Mut, an die Möglichkeit – übrigens
eine realistische – zu glauben, dass Evolution in diesem
Moment direkt durch uns geschieht. Nachdem wir nun wissen,
dass alles aus einer Milliarden Jahre dauernden Evolution hervorging
und keine Spezies isoliert von den anderen leben kann, müssten
wir endlich begreifen, dass die Zukunft unserer Spezies eng
verknüpft ist mit der unseres Planeten. Dies ist eine
der großen Lehren einer evolutionären Weltanschaung.
Weitere
Informationen:
www.andrewcohen.org
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Basierend auf dem Buchtitel: „Thank God for Evolution” von
Michael Dowd, erschienen im Verlag Plume.
Text: Dassana